Schlafmittel Gewichtsabnahme: Risiken und Möglichkeiten im Überblick

Autor: Erholsam-Schlafen Redaktion

Veröffentlicht:

Aktualisiert:

Kategorie: Schlaf und Gesundheit

Zusammenfassung: Daridorexant behandelt Schlaflosigkeit, ist jedoch kein Abnehmmedikament; mögliche Gewichtseffekte sind höchstens indirekt durch besseren Schlaf zu erwarten.

Daridorexant: Zulassung und Anwendung bei Schlaflosigkeit

Daridorexant wurde in den USA am 10. Januar 2022 für Erwachsene mit Schlaflosigkeit zugelassen. Gemeint sind Beschwerden beim Einschlafen, beim Durchschlafen oder in beiden Bereichen. In der Europäischen Union erfolgte die Zulassung später; die US-Zulassung ist daher nicht mit der heutigen Verfügbarkeit in Deutschland gleichzusetzen.

Das Arzneimittel ist in den Stärken 25 mg und 50 mg erhältlich. Es wird ungefähr 30 Minuten vor dem Zubettgehen eingenommen. Danach sollten mindestens sieben Stunden Schlaf möglich sein. Eine späte oder üppige Mahlzeit kann den Wirkungseintritt verzögern. Wer nach der Einnahme noch arbeiten, fahren oder andere Tätigkeiten mit voller Aufmerksamkeit ausüben muss, sollte besonders vorsichtig sein.

Daridorexant ist kein Präparat zur Gewichtsabnahme, sondern zur Behandlung einer behandlungsbedürftigen Schlaflosigkeit. Ein besserer Schlaf kann den Alltag erleichtern, führt aber nicht automatisch zu weniger Körpergewicht. Der Einsatz mit dem Ziel abzunehmen, wäre daher medizinisch nicht sinnvoll.

Vor der Einnahme müssen mögliche Gegenanzeigen und Wechselwirkungen geprüft werden. Dazu gehören unter anderem schwere Leberfunktionsstörungen sowie die gleichzeitige Anwendung bestimmter Arzneimittel, die den Abbau von Daridorexant stark hemmen. Auch Alkohol und andere dämpfende Mittel können Müdigkeit und Leistungseinbußen verstärken. Die konkrete Dosierung gehört deshalb in ärztliche Hand.

In den maßgeblichen Untersuchungen wurden Dosierungen von 10, 25 und 50 mg geprüft. Die Verbesserungen beim Schlaf waren messbar, aber eher begrenzt: In einer Studie verkürzte die höchste Dosis die Einschlafzeit nach einem Monat um etwa 11 Minuten. Die Wachzeit nach dem Einschlafen sank um rund 23 Minuten. Das ist kein direkter Abnehmeffekt.

Daridorexant und das Orexin-System: So wirkt der Wirkstoff

Orexine sind Botenstoffe im Gehirn, die den Wechsel zwischen Schlafen und Wachsein stabilisieren. Zwei wichtige Formen heißen Orexin A und Orexin B. Sie binden an die Rezeptoren OX1R und OX2R. Dadurch bleiben Aufmerksamkeit, Antrieb und Wachheit auch dann erhalten, wenn der Körper eigentlich schlafen möchte.

Daridorexant setzt an beiden Rezeptoren an. Als dualer Orexin-Rezeptor-Antagonist besetzt es OX1R und OX2R und schwächt damit die wachheitsfördernden Signale ab. Der Wirkstoff erzeugt also keine breit angelegte Betäubung. Er nimmt dem Wachsystem eher einen Teil seines „Treibstoffs“ – vereinfacht gesagt.

Dieser Ansatz unterscheidet Daridorexant pharmakologisch von älteren Schlafmitteln. Benzodiazepine und verwandte Substanzen verstärken vor allem dämpfende Signalwege im Gehirn. Daridorexant hemmt dagegen gezielt einen Wachheitsmechanismus. Nebenwirkungen sind dennoch möglich: Müdigkeit, Benommenheit und eine eingeschränkte Reaktionsfähigkeit können auftreten.

Das Orexin-System beeinflusst neben dem Schlaf auch Aufmerksamkeit, Körpertemperatur und Stoffwechselvorgänge. Eine künstliche Blockade ist deshalb nicht mit einer direkten Steigerung der Fettverbrennung gleichzusetzen. Im Gegenteil: Eine zu starke Orexin-Hemmung kann bei empfindlichen Personen Tagesmüdigkeit fördern und dadurch indirekt die körperliche Aktivität bremsen.

Eine seltene, aber wichtige Gegenüberstellung liefert die Narkolepsie. Bei dieser Erkrankung fehlt Orexin im Gehirn teilweise oder weitgehend. Typisch sind plötzlich auftretende Schlafanfälle und eine ausgeprägte Tagesschläfrigkeit. Daridorexant verursacht keine Narkolepsie, weil es die Orexin-Signale nicht vollständig entfernt. Die Parallele zeigt aber, warum Ärzte auf starke Müdigkeit und ungewöhnliche Schlafepisoden achten.

Für die Gewichtsabnahme ergibt sich daraus eine klare Grenze: Daridorexant kann Schlafprobleme behandeln, aber keinen gezielten Fettabbau auslösen. Ein möglicher Nutzen für das Gewicht wäre höchstens mittelbar, wenn erholsamerer Schlaf das Essverhalten und die Tagesaktivität verbessert. Dieser Effekt ist individuell und kein Bestandteil der zugelassenen Wirkung.

Schlafmittel, Schlafqualität und Körpergewicht im Vergleich

Aspekt Mögliche Chancen Risiken und Grenzen
Daridorexant Kann bei behandlungsbedürftiger Schlaflosigkeit das Einschlafen und Durchschlafen verbessern. Kein Abnehmmedikament; Müdigkeit, Benommenheit und eingeschränkte Reaktionsfähigkeit sind möglich.
Melatonin Kann bei ausgewählten Schlafproblemen oder einem verschobenen Schlafrhythmus hilfreich sein. Eine gezielte Gewichtsabnahme ist nicht belegt; mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, lebhafte Träume und Tagesmüdigkeit.
Besserer Schlaf Kann indirekt regelmäßiges Essen, Tagesaktivität und die Impulskontrolle unterstützen. Ein besserer Schlaf führt nicht automatisch zu weniger Körperfett oder einer Gewichtsabnahme.
Schlafmangel Die Behandlung einer zugrunde liegenden Schlafstörung kann Heißhunger und Erschöpfung möglicherweise verringern. Schlafmangel kann energiereiche Snacks, unregelmäßige Mahlzeiten und weniger Bewegung begünstigen.
Alkohol und andere dämpfende Mittel Keine medizinische Möglichkeit zur Gewichtsabnahme. Können Müdigkeit, Atemprobleme, Stürze und Leistungseinbußen verstärken und sollten nicht eigenständig kombiniert werden.
Gewichtsabnahme ohne Schlafmittel Eine Kombination aus ausgewogener Ernährung, Bewegung, Verhaltenstherapie und gegebenenfalls zugelassenen Medikamenten ist besser belegt. Erfordert Geduld, regelmäßige Umsetzung und bei Übergewicht oder Begleiterkrankungen häufig ärztliche Unterstützung.
Ärztliche Kontrolle Ermöglicht die Prüfung von Ursachen, Wechselwirkungen, Dosierung und Behandlungserfolg. Bei starker Tagesmüdigkeit, Atemaussetzern, Stürzen oder deutlichen Gewichtsschwankungen ist eine zeitnahe Abklärung erforderlich.

Studienlage und messbare Wirkung auf den Schlaf

Für die Bewertung von Daridorexant zählt nicht nur, ob die Schlafwerte statistisch besser ausfallen. Entscheidend ist auch, wie groß der Unterschied im Alltag tatsächlich ist. Die US-Zulassungsbehörde FDA wertete dafür Daten aus mehr als 160 klinischen Studien mit insgesamt 1.845 Erwachsenen aus. Besonders wichtig waren zwei doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studien mit einer Dauer von drei Monaten.

Geprüft wurden 10, 25 und 50 mg. Erfasst wurden objektive Schlafmessungen sowie die persönliche Einschätzung der Teilnehmenden. Dabei zeigte sich ein konsistentes Muster: Daridorexant verkürzte die Einschlafzeit, verringerte die Wachphasen nach dem ersten Einschlafen und erhöhte die subjektiv empfundene Gesamtschlafdauer.

Nach drei Monaten blieb der Effekt bestehen, fiel aber nicht spektakulär aus. Unter 50 mg lagen die Betroffenen nach dem Einschlafen rund 18,3 Minuten weniger wach. Die Einschlafzeit war um etwa 11,7 Minuten kürzer. Das ist für manche Menschen spürbar, für andere kaum. Ein statistisch signifikanter Unterschied bedeutet nicht automatisch eine starke persönliche Verbesserung.

Auch die Dosierung verdient einen nüchternen Blick. Die untersuchten 10 mg zeigten nicht in allen Messgrößen dieselbe verlässliche Wirkung wie 25 oder 50 mg. Daraus lässt sich kein Freibrief für die höchste Dosis ableiten. Eine größere Menge kann zwar die Schlafwerte verbessern, zugleich aber Tagesmüdigkeit und andere unerwünschte Wirkungen wahrscheinlicher machen.

Die Studien waren zeitlich begrenzt und belegen daher vor allem eine Wirkung über drei Monate. Für eine längere Einnahme sind regelmäßige ärztliche Kontrollen wichtig. Dabei sollte geprüft werden, ob der Schlaf tatsächlich besser wird, die Tagesfunktion profitiert und sich Nebenwirkungen entwickeln.

Für das Thema Gewichtsabnahme ist die Aussage der Studien klar begrenzt: Untersucht wurde die Schlafqualität, nicht ein gezielter Verlust von Körperfett. Die Ergebnisse liefern deshalb keinen Nachweis, dass Daridorexant das Gewicht senkt. Wer nach mehreren Wochen keinen besseren Schlaf bemerkt oder sich am Tag deutlich benommen fühlt, sollte die Behandlung nicht selbst verändern, sondern ärztlich Rücksprache halten.

Quellen: FDA, Zulassungsunterlagen zu Daridorexant; Fachinformationen und publizierte Phase-3-Studien zu Daridorexant.

Schlafmittel und Gewicht: Warum der Zusammenhang komplex ist

Schlafmittel wirken nicht alle auf dieselbe Weise auf das Körpergewicht. Manche Menschen nehmen unter einer Behandlung ab, andere zu. Bei vielen verändert sich die Waage gar nicht. Der Grund: Gewicht entsteht aus mehreren Faktoren zugleich – etwa Appetit, Tagesaktivität, Stoffwechsel, Flüssigkeitshaushalt und der Erkrankung, wegen der das Mittel verschrieben wurde.

Ein vermeintlicher Zusammenhang kann durch Begleitfaktoren entstehen. Wer wegen chronischer Schmerzen schlecht schläft, bewegt sich oft weniger und isst unregelmäßig. Wird die Nacht besser, kann die Aktivität steigen. Das ist kein direkter Fettabbau durch das Schlafmittel, sondern eine mögliche Folge besserer Funktionsfähigkeit im Alltag. Umgekehrt kann morgendliche Benommenheit Bewegung bremsen.

Auch die Art des Gewichtsverlusts ist wichtig. Ein rascher Rückgang kann durch weniger Nahrung, Flüssigkeit oder Muskelmasse entstehen. Er sagt wenig über eine gesunde Veränderung des Körperfetts aus. Aussagekräftiger sind der Verlauf über mehrere Wochen, der Taillenumfang und die körperliche Leistungsfähigkeit.

Bei älteren Menschen oder bei längerer Einnahme kommt ein weiteres Risiko hinzu: Stürze. Dämpfende Medikamente können Gleichgewicht und Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Ein dadurch ausgelöster Bewegungsmangel kann die Gewichtskontrolle zusätzlich erschweren. Wer mehrere beruhigende Arzneimittel kombiniert, sollte die gesamte Medikation prüfen lassen.

Besondere Vorsicht gilt bei Präparaten, die den Appetit verändern oder den Stoffwechsel beeinflussen können. Gewichtsschwankungen sollten deshalb mit dem zeitlichen Beginn der Einnahme verglichen werden. Ein einfaches Protokoll mit Schlafdauer, Tagesmüdigkeit, Essverhalten, Bewegung und Gewicht schafft oft mehr Klarheit als ein Blick auf einzelne Messwerte.

Die zentrale Frage lautet also nicht: „Welches Schlafmittel macht schlank?“ Sinnvoller ist: Welches Problem soll behandelt werden, und welchen Preis hat die Therapie für Sicherheit, Aktivität und Lebensqualität? Erst diese Abwägung verhindert, dass ein kurzfristiger Schlafgewinn langfristig neue Baustellen schafft.

Melatonin zum Abnehmen: Was die Forschung zeigt

Melatonin ist kein Mittel zur gezielten Gewichtsabnahme. Die Forschung untersucht zwar mögliche Verbindungen zwischen dem Hormon, Schlaf und Stoffwechsel. Ein verlässlicher Effekt auf Körperfett oder Körpergewicht lässt sich daraus bisher aber nicht ableiten.

Einige kleine Studien berichten über eine geringe Gewichtsabnahme oder Veränderungen bei Körperfett und Stoffwechselwerten. Andere Untersuchungen finden keinen klaren Unterschied. Die Ergebnisse sind schwer vergleichbar, weil sich Dosierung, Einnahmedauer, Alter, Schlafproblem und Gesundheitszustand der Teilnehmenden unterscheiden. Oft wurden zudem nur wenige Personen und kurze Zeiträume untersucht.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem direkten und einem indirekten Effekt. Melatonin verbrennt kein Fett wie ein klassisches Abnehmmedikament. Falls sich das Gewicht bei einzelnen Menschen verbessert, könnte dies eher über einen regelmäßigeren Schlafrhythmus geschehen. Daraus folgt jedoch keine therapeutische Empfehlung zum Abnehmen.

Auch die Einnahmeform beeinflusst die Aussagekraft. Frei verkäufliche Präparate können sich bei Wirkstoffmenge, Freisetzung und Reinheit unterscheiden. Ein höherer Anteil bedeutet nicht automatisch eine bessere Wirkung. Wer Melatonin nutzen möchte, sollte Auswahl, Dosierung und Dauer mit einer Ärztin oder einem Arzt oder einer Apotheke klären.

Besondere Vorsicht ist bei Schwangerschaft und Stillzeit, Lebererkrankungen, Autoimmunerkrankungen sowie bei der gleichzeitigen Einnahme anderer Arzneimittel sinnvoll. Melatonin kann unter anderem mit gerinnungshemmenden, beruhigenden oder bestimmten blutdrucksenkenden Mitteln wechselwirken. Nach der Einnahme können außerdem lebhafte Träume, Kopfschmerzen oder ein verschobener Schlafrhythmus auftreten.

Für die Bewertung zählen deshalb neben der Zahl auf der Waage auch Schlafqualität, Tagesbefinden, Essverhalten und mögliche Nebenwirkungen. Bleibt eine Veränderung nach einigen Wochen aus, gibt es keinen guten Grund, die Menge eigenständig zu erhöhen.

Forschungsstand: Melatonin kann bei ausgewählten Schlafproblemen sinnvoll sein. Als eigenständige Strategie zur Gewichtsabnahme ist es wissenschaftlich nicht ausreichend belegt und nicht zugelassen.

Kann Melatonin eine Gewichtszunahme begünstigen?

Eine dauerhafte Gewichtszunahme gilt bei Melatonin nicht als typische direkte Wirkung. Trotzdem kann sich das Körpergewicht bei einzelnen Personen verändern. Meist geht es dann um Begleitumstände: eine andere Schlafqualität, eine veränderte Tagesform oder Wechselwirkungen mit weiteren Arzneimitteln.

Besonders relevant ist die Reaktion am nächsten Morgen. Manche Menschen berichten über Benommenheit, Kopfschmerzen oder einen „vernebelten“ Start in den Tag. Wer dadurch weniger aktiv ist, Mahlzeiten ausfallen lässt und später starken Hunger bekommt, kann unbewusst mehr Kalorien aufnehmen. Dieser Ablauf ist möglich, aber kein bewiesener Standardmechanismus.

Auch ein verschobener Schlafrhythmus kann eine Rolle spielen. Wird Melatonin zu spät oder zur unpassenden Zeit eingenommen, kann die innere Uhr weiter aus dem Takt geraten. Unregelmäßige Schlafzeiten erschweren dann feste Mahlzeiten und fördern bei manchen Personen spätes Snacken. Eine Gewichtszunahme wäre in diesem Fall eher eine Folge des veränderten Tagesablaufs als eine direkte Hormonwirkung.

Bei Gewichtsschwankungen sollten außerdem andere Ursachen geprüft werden. Dazu zählen etwa Schilddrüsenerkrankungen, depressive Beschwerden, Wechseljahre, Flüssigkeitseinlagerungen oder Medikamente wie manche Antidepressiva und Kortisonpräparate. Melatonin vorschnell als Auslöser festzulegen, wäre zu kurz gegriffen.

Ein praktischer Sicherheitscheck hilft:

Bei rascher, deutlicher Gewichtszunahme, ausgeprägten Wassereinlagerungen oder anhaltender Tagesmüdigkeit sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden. Melatonin eigenständig abzusetzen oder höher zu dosieren ist ebenfalls keine gute Idee. Ein kurzer Einnahme- und Symptomverlauf liefert der behandelnden Praxis oft den entscheidenden Hinweis.

Schlafmangel, Heißhunger und verringerte Bewegung

Schlafmangel kann die Gewichtskontrolle auf mehreren Ebenen erschweren. Nach kurzen Nächten verändert sich nicht nur das Hungergefühl. Auch Entscheidungen, Stressverarbeitung und spontane Aktivität können kippen. So entsteht leicht ein Kalorienplus, ohne dass Betroffene bewusst mehr essen wollen.

Besonders auffällig ist der Effekt auf die Auswahl von Lebensmitteln. Müde Menschen greifen häufiger zu schnell verfügbaren, energiereichen Produkten. Süßes, salzige Snacks und stark verarbeitete Speisen wirken dann attraktiver. Das Gehirn sucht rasche Energie und Belohnung. Ein einzelner Abend ist dabei kein Problem; wiederholt sich das Muster, kann es sich auf das Körpergewicht auswirken.

Hinzu kommt eine schwächere Impulskontrolle. Nach einer schlechten Nacht fällt es schwerer, geplante Mahlzeiten einzuhalten oder spontane Snacks abzulehnen. Stress verstärkt diesen Kreislauf. Essen dient dann nicht nur der Sättigung, sondern auch als kurze Pause, Trost oder Belohnung.

Die Folgen zeigen sich oft nicht beim Sport, sondern im Kleinen: weniger Schritte, längere Sitzzeiten, abgesagte Wege zu Fuß oder ein ausgelassenes Training. Diese unscheinbaren Veränderungen können den täglichen Energieverbrauch deutlich senken. Wer zusätzlich erschöpft ist, unterschätzt diesen Unterschied leicht.

Ein Schlafmittel kann diesen Kreislauf nur dann günstig beeinflussen, wenn die zugrunde liegende Schlafstörung passend behandelt wird und am Tag keine starke Dämpfung entsteht. Es ersetzt weder die Ursachenklärung noch eine Behandlung von Schichtarbeit, Schlafapnoe, Depressionen oder chronischen Schmerzen. Bei lautem Schnarchen, Atemaussetzern, morgendlichen Kopfschmerzen oder extremer Tagesschläfrigkeit sollte zunächst eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Für die eigene Beobachtung reicht ein kurzes Protokoll über sieben bis vierzehn Tage:

Dieses Muster zeigt besser als ein Einzelwert, ob schlechte Nächte das Essverhalten und die Aktivität beeinflussen. Erst dann lässt sich sinnvoll beurteilen, ob eine Schlafbehandlung im Alltag wirklich hilft – oder ob sie lediglich Müdigkeit verschiebt.

Gewichtsabnahme ohne Schlafmittel: Wirksame Möglichkeiten

Eine Gewichtsabnahme ohne Schlafmittel gelingt am ehesten mit einem Plan, der Ernährung, Bewegung und medizinische Ursachen verbindet. Entscheidend ist kein radikaler Verzicht, sondern ein kleines, dauerhaftes Energiedefizit. Für viele Erwachsene sind etwa 300 bis 500 Kilokalorien weniger pro Tag ein realistischer Start. Das Tempo darf langsam sein: Bereits 5 bis 10 Prozent weniger Körpergewicht können bei Übergewicht die Gesundheit verbessern.

Bei der Ernährung hilft eine einfache Struktur. Jede Hauptmahlzeit sollte eine Eiweißquelle, Gemüse oder Obst und eine sättigende Beilage enthalten. Eiweiß aus Hülsenfrüchten, Eiern, Milchprodukten, Fisch oder magerem Fleisch schützt zusammen mit Krafttraining die Muskelmasse. Wasser, ungesüßter Tee und wenig flüssige Kalorien machen die Energiebilanz übersichtlicher.

Bewegung muss nicht sofort aus hartem Training bestehen. Ein sinnvoller Aufbau sieht so aus:

Krafttraining ist besonders wertvoll, weil es dem Verlust von Muskelmasse während einer Diät entgegenwirken kann. Ausdauertraining verbessert zusätzlich die Fitness. Welche Form passt? Diejenige, die regelmäßig machbar ist. Ein perfekter Plan, der nach zehn Tagen aufgegeben wird, taugt wenig.

Bei starkem Übergewicht oder begleitenden Erkrankungen kommen ärztlich geprüfte Optionen infrage. Dazu zählen strukturierte Ernährungstherapie, verhaltenstherapeutische Unterstützung und zugelassene Medikamente zur Gewichtsreduktion. Wirkstoffe wie Semaglutid dürfen nicht als harmlose Lifestyle-Produkte verstanden werden: Sie benötigen eine ärztliche Verordnung, klare Kriterien und eine Kontrolle von Nebenwirkungen. Eine Behandlung sollte außerdem erklären, was nach dem Absetzen passiert.

Vor jedem Abnehmprogramm lohnt sich ein Blick auf mögliche Ursachen. Die Arztpraxis kann unter anderem Schilddrüse, Blutzucker, Blutdruck, psychische Belastungen und die aktuelle Medikamentenliste prüfen. Auch Essanfälle, nächtliches Essen oder eine Schlafapnoe brauchen eine eigene Behandlung. Wer nur die Kalorien zählt, obwohl eine Erkrankung den Alltag bestimmt, dreht schnell im Kreis.

Ein alltagstaugliches Ziel ist daher kein bestimmtes Produkt, sondern ein messbarer Prozess: feste Mahlzeiten, regelmäßige Bewegung, monatliche Kontrolle von Gewicht und Taillenumfang sowie eine Anpassung nach acht bis zwölf Wochen. Bleibt der Erfolg trotz konsequenter Umsetzung aus, sollte die Strategie fachlich überprüft werden, statt die nächste vermeintliche Abkürzung zu suchen.

Fazit: Schlafmittel nicht zur Gewichtsabnahme einsetzen

Schlafmittel sind keine Abnehmpräparate. Daridorexant und Melatonin verfolgen ein anderes Ziel: Sie sollen ausgewählte Schlafprobleme lindern. Ein Einsatz allein wegen des Körpergewichts ist fachlich nicht begründet. Auch ein besserer Schlaf rechtfertigt keine eigenständige Dosiserhöhung.

Wer abnehmen möchte und zugleich schlecht schläft, sollte beide Themen getrennt, aber gemeinsam betrachten. Die Behandlung der Schlafstörung kann wichtig sein. Sie ersetzt jedoch keine gezielte Therapie des Übergewichts. Umgekehrt kann ein strenger Diätplan den Schlaf weiter verschlechtern, wenn er zu wenig Energie, viel Druck oder späte Essanfälle erzeugt.

Besonders riskant ist die Selbstmedikation mit frei verkäuflichen Produkten, Restbeständen oder Kombinationen mehrerer beruhigender Mittel. Die Zusammensetzung mancher Nahrungsergänzungen schwankt. Zudem können Alkohol, Beruhigungsmittel und einige Arzneien die Müdigkeit verstärken. Bei Atemaussetzern im Schlaf, Stürzen, Verwirrtheit oder ungewöhnlich starker Schläfrigkeit gehört die Behandlung zeitnah ärztlich geprüft.

Eine sinnvolle Entscheidung lässt sich an drei Fragen ausrichten:

Für die Gewichtsabnahme bleiben individuell passende Ernährung, Bewegung, Verhaltenstherapie und – wenn medizinisch angezeigt – zugelassene Medikamente die belastbareren Wege. Schlafmittel können in einem Behandlungsplan ihren Platz haben, aber nicht als Schlankheitsstrategie. Wer beide Beschwerden gezielt angeht, vermeidet falsche Versprechen und gewinnt meist mehr als durch eine schnelle, fragwürdige Abkürzung.